Herzgesundheit: So gefährlich ist Covid-19 wirklich

Mediziner aus Deutschland und den USA haben beobachtet, dass relativ viele Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, anschließend auffällige Herzbefunde zeigen. Berichte über plötzliche Herztode bei genesenen Sportlern schürten zusätzlich Besorgnis. Warum trotzdem kein Grund zur übermäßigen Besorgnis besteht, erläutert Prof. Eike Nagel vom Institut für experimentelle und translationale kardiovaskuläre Bildgebung der Universitätsmedizin Frankfurt.

Vor einigen Wochen haben Nagel und Kollegen darüber berichtet, dass sie bei 78 von 100 Personen nach überstandener Covid-19-Erkrankung Anzeichen dafür gefunden haben, dass das Herz durch die Infektion Schaden genommen hatte. Nur ein Drittel von ihnen war im Krankenhaus behandelt worden, die meisten hatten einen milden Verlauf, und 18 waren sogar symptomlos. Auch in den USA hatte man bei der Untersuchung von Leistungssportlern in mehr als der Hälfte der Fälle Auffälligkeiten am Herzen beobachtet, obwohl die Erkrankung überwiegend leicht verlaufen war.

Trotzdem bestehe kein Grund zur Panik, sagt Nagel. An der Studie befanden sich unter den Teilnehmern zu 33 Prozent Patienten, die während der akuten Erkrankung im Krankenhaus behandelt worden waren, und zum Zeitpunkt der Untersuchung hatten 36 Prozent der Patienten immer noch oder erneut Luftnot. Das spreche dafür, dass die Stichprobe mehr Personen mit langwierigen oder schwereren Verläufen umfasste, als es bei Covid-19 eigentlich der Fall ist. Dazu räumen die Forscher auch Fehler bei der statistischen Auswertung der Daten ein. Nagel und sein Team planen deshalb jetzt eine Untersuchung mit einer unverzerrten, repräsentativen Stichprobe von Patienten nach überstandener Covid-19-Erkrankung.

Sport nach überstandener Erkrankung erst langsam steigern

"Es gibt eine Herzbeteiligung bei Covid-19, und die ist möglicherweise relevant", sagt Nagel. Dies sei auch die Kernaussage der Studie aus den USA: "Unter jungen Sportlern haben 15 Prozent nach symptomarmer SARS-CoV-2-Infektion einen MRT-Befund am Herzen, der jedenfalls nicht gut ist. Das ist schon nicht ganz wenig." Aktuell lasse sich aber noch nicht sagen, dass Covid-19 grundsätzlich das Herz schädige. Dazu sei eine repräsentative Studie mit mehr Teilnehmern nötig.

Nagel rät seinen Patienten: "Fangt langsam wieder an und steigert die Belastung, wenn ihr euch fit fühlt. Wenn nicht, gebt der Sache Zeit."

ZOU

Quellen:

DOI 10.1001/jamacardio.2020.4916

DOI 10.1001/jamacardio.2020.3557

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