Depressive Symptome: Menschen ab 65 Jahren suchen selten professionelle Hilfe

Nur die wenige Menschen im fortgeschrittenen Alter suchen sich psychische Hilfe. Zu dieser Erkenntnis kommt eine repräsentative Untersuchung, für die US-Forscher Menschen ab 65 Jahre befragten. Fünf Prozent von ihnen vermuteten, an einer Depression zu leiden, hatten aber keine entsprechende Diagnose. Nahezu zwei Drittel gaben an, deswegen keine professionelle Hilfe suchen zu wollen.

Mit Depressionen wird man nicht alleine fertig

Das begründeten 61 Prozent mit dem Argument, ihre Beschwerden seien nicht stark genug. 39 Prozent gaben an, dass sie glaubten, ihre Depression allein bewältigen zu können. Tatsächlich ist das in den meisten Fällen jedoch nicht möglich.

"Die Einstellung einiger Senioren, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zeihen zu wollen, und ihre Zurückhaltung bei Gesprächen über die psychische Gesundheit, hindern sie daran, die Hilfe zu bekommen, die sie benötigen“, sagte Dr. Mark Pollack, Chief Medical Officer von Myriad Neuroscience. Das sei besonders in der derzeitigen Pandemie problematisch, die die psychische Gesundheit belaste.

Psychiater: Depressionen sind kein normaler Bestandteil des Alterns

"Meiner Erfahrung nach ist die Ansicht weit verbreitet, dass Depressionen ein normaler Bestandteil des Alterns sind – das ist aber nicht der Fall", sagte Dr. Parikshit Deshmukh, leitender Psychiater an der Balanced Wellbeing LLC Psychiatry Clinic in Oxford, Florida.

Depressionen seien bei älteren Amerikanern nach wie vor ein Tabuthema. Vielen Betroffenen falle es schwer, sich die Erkrankung einzugestehen. Sie zögerten selbst dann noch, Hilfe zu suchen, wenn die Erkrankung ihr Sozialleben und ihre Freude an Aktivitäten beeinträchtigt. Tatsächlich seien Depressionen aber Erkrankungen wie Herzkrankheiten oder Diabetes, die behandelt werden können und auch sollten.

In Deutschland: 6 Prozent der der 70- bis 79-Jährigen gelten als depressiv

Auch hierzulande sind Depressionen im Alter häufig. Nach Angaben der Deutschen Depressionshilfe leiden 6,1 Prozent der 70- bis 79-Jährigen darunter – das ist etwas weniger als in der erwachsenen Gesamtbevölkerung (8,1 Prozent). Allerdings treten leichtere Depressionen oder Depressionen, bei denen nicht alle Symptome vorliegen (sog. subklinische Depression), zwei- bis dreimal so häufig bei älteren Menschen auf. Auch sie beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich.

Depressionen werden im Alter häufiger übersehen

Depressionen werden bei älteren Menschen häufiger übersehen. Denn nicht nur die Patienten selbst, auch Mediziner halten beispielsweise Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und eine Hemmung des Antriebs für dem Alter geschuldet. Oft verstärken die Depressionen auch körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen oder rufen diese hervor. Dann konzentriert sich auch die Behandlung auf die körperlichen Symptome, und die zugrundeliegende Depression bleibt unbehandelt.

  • Wissen, Selbsttest und Adressen rund um das Thema Depression: www.deutsche-depressionshilfe.de
     
  • Deutschlandweites Info-Telefon Depression 0800 33 44 5 33 (kostenfrei)
     
  • Fachlich moderiertes Online-Forum zum Erfahrungsaustausch für Angehörige und Betroffene: www.diskussionsforum-depression.de
     
  • Beratung und Austausch für Angehörige (unter anderem ein „SeelenFon“): Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker www.bapk.de
     
  • Selbsthilfegruppe Angst – Panik – Depression für Betroffene und Angehörige: www.shg-apd.de
     
  • Weitere Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige findet man auf der Homepage der Deutschen Depressionsliga (www.depressionsliga.de) unter „Selbsthilfe“. Auch eine kostenlose Patientenbroschüre für Patienten und  Angehörige bietet der Verein online.

Mehr zum Thema Depressionen lesen:

  • Ihr Mann ist depressiv, dennoch hat sich unsere Autorin für ihn entschieden. Seine Krankheit macht ihnen immer wieder zu schaffen – aber es gibt auch Lichtblicke.
  • Depressionen sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland gibt es eine immens hohen Anzahlen Betroffener. Johann Hari setzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit dem Thema auseinander.
  • Für Menschen mit Depressionen ist die Welt ein anderer Ort. Ein Paralleluniversum, in dem die Zeit sich endlos ausdehnt, in dem Kleinigkeiten zur größten Herausforderung werden und in dem Dunkelheit und Verzweiflung herrscht..

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