Vorbild Singapur? Ungeimpfte müssen Klinik-Aufenthalt wegen Corona teils selbst zahlen

Auch wenn Singapur eine hohe Impfquote aufweist, soll der Anteil der gegen das Coronavirus immunisierten Personen weiter erhöht werden. Mit folgender Maßnahme: Ab Dezember sollen Ungeimpfte einen Klinikaufenthalt wegen Corona teils selbst zahlen. Ist das auch in Deutschland denkbar?

Drohen nicht geimpften Menschen, die am Coronavirus erkranken und in einer Klinik behandelt werden müssen, bald finanzielle Probleme? In einem Artikel der „Welt“ äußern sich Experten zu der Thematik, die durch ein neues Vorgehen in Singapur diskutiert wird.

Denn im dortigen Sechs-Millionen-Einwohner-Staat lockert die Regierung zwar viele Corona-Maßnahmen. Der Druck auf die ungeimpften Personen wird aber künftig nochmals deutlich erhöht, obwohl die Impfquote im Stadtstaat schon bei 87 Prozent liegt.

Ökonom schlägt Beteiligung von 20 Prozent vor

Ab dem 8. Dezember wird in Singapur allen Corona-Patienten, die sich hätten impfen lassen können, dies aber nicht gemacht haben, ein Klinikaufenthalt zumindest teilweise in Rechnung gestellt.

Die „Welt“ zitiert zu dem Fall auch Justus Haucap, Wettbewerbsexperte von der Universität Düsseldorf, der sich zwar nicht vorstellen kann, dass Ungeimpfte ihre Behanldung komplett selbst zahlen müssen. „Was ich mir eher vorstellen kann, ist eine Kostenbeteiligung von freiwillig Ungeimpften, zum Beispiel von 20 Prozent“, sagt Haucap.

"Herzkrank, adipös, Rückenschmerzen, Skiunfälle?"

Allerdings gibt der Cottbuser Ökonom Jan Schnellenbach zu Bedenken: „Es läuft dem Prinzip der Krankenversicherung entgegen zu fragen, ob jemand vielleicht selbst für seine Krankheit verantwortlich ist. Herzkrank und adipös, Rückenschmerzen wegen Bewegungsmangel, Skiunfälle? Wo hören wir da auf?“

Aussicht auf mehr Impfungen durch Maßnahme nur gering?

In dem Artikel wird auch die Wirksamkeit einer möglichen finanziellen Verpflichtung angezweifelt. „Zur Pandemiebekämpfung würde uns das nur etwas bringen, wenn wir dadurch Ungeimpfte zur Impfung bewegen könnten“, meint Sebastian Dullien, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts IMK.

Dies jedoch sei „zweifelhaft, weil unter den Ungeimpften zwei Gruppen besonders stark vertreten sind: jene, die Wahrscheinlichkeiten und Risiken unrealistisch einschätzen, und jene, die schlecht informiert sind. Beide Gruppen dürften sich kaum durch die Drohung der Übernahme von Behandlungskosten zur Impfung bewegen lassen.“

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