Neue Ursache für Darmentzündungen entdeckt: Aminosäure kann helfen – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Aminosäure L-Arginin bildet Darmentzündungen zurück

Entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind weit verbreitet. Die Ursachen dieser chronischen Entzündungen gelten jedoch als noch nicht ausreichend verstanden. Ebenso sind die Behandlungsoptionen eingeschränkt. Ein deutsches Forschungsteam fand nun heraus, dass eine Aminosäure eine große Rolle sowohl bei der Entstehung als auch bei der Linderung solcher Entzündungen spielt.

Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg untersuchten gemeinsam mit weiteren Kliniken und Instituten in Erlangen und Regensburg wie einzelne Zwischenprodukte des Stoffwechsels im Darm Entzündungsreaktionen beeinflussen. Dabei zeigte sich, dass die Aminosäure L-Arginin bei der Entstehung, beim Verlauf und auch bei der Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen entscheidend mitwirkt. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich im „Journal of Clinical Investigation“ präsentiert.

Wie beeinflusst L-Arginin die Darmschleimhaut?

Wie die Arbeitsgruppe feststellte, verstärkt ein Mangel der Aminosäure L-Arginin Entzündungsreaktionen der Darmschleimhaut. Nahrungsmittelergänzung mit L-Arginin könnten der Studie zufolge eine neue und vielversprechende Variante zur Behandlung von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa darstellen.

Das Mikrobiom im Darm hat weitreichende Funktionen

Der menschliche Darm allein enthält rund zehn Mal so viel Bakterien wie Zellen im gesamten Körper vorhanden sind. Die Wechselwirkung dieses Darmmikrobioms (auch als intestinale Mikrobiota oder veraltet als Darmflora bezeichnet) mit den Zellen des Körpers ist von entscheidender Bedeutung für den Stoffwechsel und die Verdauung, aber auch für die Durchblutung des Darms, die Durchlässigkeit der Gefäße und für die Kontrolle von Entzündungen, so die Forschenden.

Darmbakterien beeinflussen die Gesundheit massiv

Wird das Zusammenspiel zwischen den Darmbakterien und der Darmwand (Darmepithel) verändert, wird auch unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit beeinträchtigt. „Bei den zwei häufigsten entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist diese Wechselwirkung empfindlich gestört“, erklärt das Forschungsteam. Dies führe unter anderem zu einem veränderten Eiweiß-Stoffwechsel sowie zu Veränderungen in der Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota.

L-Arginin hat viele Schlüsselfunktionen für die Gesundheit

Laut der aktuellen Studie ist die Aminosäure L-Arginin äußerst wichtig für die Darmgesundheit. Sie wird gewöhnlich über Nahrungsmittel aufgenommen und ist weit verbreitet in verschiedenen Körperzellen. L-Arginin sei an zahlreichen biologischen Funktionen beteiligt. Beispielsweise diene sie als Basis für die beiden Enzyme Arginase 1 (Arg1) und induzierbare Stickstoffmonoxidsynthase (NOS2). Diese Enzyme stehen in Wechselwirkung zueinander und nehmen entscheidenden Einfluss auf die Immunantwort im Körper.

Im Darm fungiert L-Arginin zugleich als Baustein für so genannten Polyamine, die das Zellwachstum fördern. Darüber hinaus ist die Aminosäure dem Forschungsteam zufolge ein zentrales Zwischenprodukt des Harnstoffzyklus, der für die Entgiftung des Körpers sorgt.

Was passiert bei L-Arginin-Mangel?

Die Forschenden um Professor Mattner zeigten nun, dass ein Mangel an L-Arginin, wie er oft bei Betroffenen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen vorliegt, mit verstärkten Entzündungen der Darmschleimhaut einhergeht. Dies ziehe auch eine vermehrte Ansammlung von Entzündungszellen und eine Zunahme an Blutgefäßen in der Darmwand nach sich.

Die Aufnahme von L-Arginin verbessert die Darmgesundheit

„Umgekehrt wirkte sich die Aufnahme einer L-Arginin-reichen Diät oder die gentechnologische Elimination L-Arginin-verbrauchender Enzyme (Arg1, NOS2) günstig auf die Vielfalt und Reichhaltigkeit der Mikrobiota aus und beschleunigte die Rückbildung einer Darmentzündung“, resümiert die Studiengruppe. Bei verstärkter Aufnahme von L-Arginin verbessere sich die Bildung von Polyaminen, die für einen aktiveren Schutz im Darm sorgen und so krankhafte Prozesse eindämmen.

Neue Behandlung für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

In der Darmschleimhaut von Betroffenen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa lassen sich laut den Forschenden oft Enzyme nachweisen, die auf einen Mangel an L-Arginin hindeuten. Die Arbeitsgruppe schlägt deshalb Nahrungsmittelergänzung mit L-Arginin zur Therapie solcher Erkrankungen vor. Der tatsächliche Nutzen einer solchen Behandlung muss jedoch erst in einer klinischen Studie nachgewiesen werden. (vb)

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