Mit Nasensprays gegen Corona

Das neuartige Corona-Virus gelangt hauptsächlich durch die oberen Atemwege, sprich die Nase und den Rachen, in den Körper. Was liegt also näher als eine Infektionsprophylaxe oder frühzeitige Therapie einer SARS-CoV-2-Infektion mit dem Anwendungsort „Nase“? Weltweit sind bereits zahlreiche Nasensprays für diesen Zweck in der Entwicklung.

Nasensprays sind leicht anzuwenden und im Vergleich zu parenteralen Applikationswegen nicht invasiv. Außerdem könnten die Wirkstoffe SARS-CoV-2 bei einer Infektion gleich am Eintrittsort abblocken oder unschädlich machen. Damit könnte die Übertragung von Person zu Person deutlich gemindert und überdies verhindert werden, dass die Erkrankung sich auf die unteren Atemwege ausdehnt. Die Wissenschaft hat diese attraktive Option bereits erkannt und einiges dazu auf den Weg gebracht.

INNA-051: Vielversprechend bei erhöhtem Risiko

So entwickelt das australische Biotech-Unternehmen Ena Respiratory ein neuartiges Nasenspray mit dem Wirkstoff INNA-051, einem synthetischen pegylierten Agonisten der Toll-Like-Rezeptoren 2 und 6 (TLR2/6). In einer Studie mit Frettchen als SARS-CoV-2-Infektionsmodell lieferte INNA-051 vielversprechende Ergebnisse. Fünf Tage nach der Exposition war die Menge der viralen RNA in Nasen-Rachen-Abstrichen bei den mit INNA-051 behandelten Tieren gegenüber Placebo signifikant reduziert. Laut Ena Respiratory könnte das Nasenspray zur Vorbeugung von Infektionen in Risikopopulationen wie Beschäftigten im Gesundheitswesen und älteren Menschen eingesetzt werden.

Anorganische Polyphosphate und Sphingosin

Die Universitätsmedizin Mainz setzt für den gleichen Zweck auf anorganische Polyphosphate (PolyP). In Bindungsassays konnten die Forscher zeigen, dass PolyP die Bindung des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 an seinen Wirtszellrezeptor ACE2 signifikant hemmt. Die Autoren vermuten, dass die PolyP-vermittelte Kontrolle der Virusausbreitung ein Teil der körpereigenen Strategie zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 sein konnte, der während der SARS-CoV-2-Infektion beeinträchtigt ist.

Auch Sphingosin, das Rückgrat der Sphingolipide, die natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommen, könnte möglicherweise mit einem Nasenspray verabreicht werden, um so die SARS-CoV-2-Infektion zu hemmen. Ein Team der University of Cincinnati (USA), das sich mit einer solchen Entwicklung beschäftigt, konnte zeigen, dass die Vorbehandlung von kultivierten Vero-Epithelzellen oder frisch gewonnenen menschlichen Nasenepithelzellen mit geringen Konzentrationen an Sphingosin die Adhäsion und Infektion mit dem Virus verhinderte, indem es selbst an ACE2 bindet.

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