Lange Bremsspur nach der Vollbremsung – warum der Lockdown in Deutschland vermutlich länger andauern wird

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery erwartet, dass der seit Mittwoch geltende harte Corona-Lockdown in Deutschland über den 10. Januar hinaus verlängert wird. Modellrechnungen zeigten, dass der harte Lockdown die Zahl der Neuninfektionen frühestens ab Ende Januar bundesweit unter den Wert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen drücken werde, sagte Montgomery der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgaben). Die Bürger müssten sich daher auf eine Fortsetzung der strengen Regeln einstellen.    

Auch der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hält ein entsprechendes Abflachen der 7-Tage-Indizenz in ganz Deutschland für "unwahrscheinlich". "Wir wissen, dass es bis zu 14 Tage dauern kann, bis sich neu getroffene Maßnahmen auch in den Zahlen niederschlagen", sagte er im Gespräch mit dem stern. "Es kann durchaus sein, dass die Zahlen in den nächsten zwei Wochen nach oben gehen – also ein noch höheres Niveau erreichen –, aber dann absinken. Bis zum 10. Januar würde dann praktisch nur noch eine Woche bleiben, um zu dem gewünschten Inzidenzwert zurückzukehren". Das sei in Kürze der Zeit nicht zu erwarten, so Schmidt-Chanasit, wenn aktuell Inzidenzen von 500 bis 600 in einigen Landkreisen zu sehen sei. "Das wäre schon ein Wunder, natürlich ein sehr wünschenswertes."

Virologe Schmidt-Chanasit


Deutschland macht dicht: "Der Lockdown ist nötig. Aber wie sieht die langfristige Strategie aus?"

Weltärztepräsident Montgomery hält Corona-Auflagen mindestens bis Ostern für nötig

Montgomery erwartet zudem, dass es noch bis Ostern verschiedene Lockdown-Maßnahmen in Deutschland geben wird. "Auch wenn die Impfungen jetzt früher beginnen als erwartet, wird der Effekt nur allmählich zu einer Verbesserung der Lage beitragen", sagte er.    

Die europäische Arzneimittelagentur (EMA) hatte am Dienstag angekündigt, bereits am 21. Dezember über die Zulassung des Impfstoffs der Mainzer Firma Biontech und des US-Konzerns Pfizer zu entscheiden – acht Tage vor dem bislang anvisierten Termin. Damit könnten noch in diesem Jahr in der EU die ersten Impfungen anlaufen.     

Im neuen Jahr dürfe die Politik bei der Lockerung der Corona-Maßnahmen "nichts überstürzen", warnte Montgomery. Das Land dürfe nach dem harten Lockdown nur "langsam wieder auftauen". Gehe dieser Prozess zu schnell, sei die Gefahr groß, dass das Land kurz darauf in eine noch größere Pandemiewelle gerate.    

Corona-Lage


Spahn: Impfstart noch dieses Jahr mit "weltweit einzigem ordentlich zugelassenen Impfstoff"

Mit jeder neuen Welle verbreite sich das Virus stärker in der Bevölkerung und müsse dann mit immer härteren Maßnahmen bekämpft werden, erläuterte der Weltärztepräsident. "Wir müssen einen Jojo-Effekt bei den Lockdown-Phasen vermeiden", betonte er.    

Den harte Lockdown ist vorerst bis zum 10. Januar befristet. Voraussichtlich am 5. Januar wollen Bund und Länder darüber beraten, ob die rigorosen Restriktionen möglicherweise verlängert werden. Im Rahmen des an diesem Mittwoch in Kraft getretenen harten Lockdowns müssen viele Geschäfte geschlossen bleiben, nur noch Waren des täglichen Bedarf dürfen verkauft werden. Schulen machen dicht, in Kitas soll es nur noch einen Notbetrieb geben. Im öffentlichen Raum gilt ein striktes Alkoholverbot. Arbeitgeber sind aufgerufen, Betriebsferien auszurufen oder Homeoffice zu ermöglichen, damit die Menschen bundesweit grundsätzlich zu Hause bleiben können.

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