Impfstoffproduktion behindert Produktion anderer Biopharmazeutika und Vitamine 

Lieferengpässe sind ein ständiger Begleiter in der Apotheke. Wie es aktuell um die Versorgungslage mit Arzneimitteln in Deutschland steht, hat das BfArM diese Woche in einem Protokoll seines entsprechenden Beirats veröffentlicht. Dabei sind Lieferengpässe bei Multivitaminpräparaten ein Thema, aber auch wie viele Wirkstoffe bereits aus der EU bezogen werden und wie in anderen europäischen Ländern mit Lieferengpässen umgegangen wird.

Am 21. Juni warnte die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) vor Lieferengpässen bei Multivitaminpräparaten. Dabei ging es um Patientinnen und Patienten, die parenteral ernährt werden müssen. Kliniken und Apotheken hätten berichtet, dass das Multivitaminpräparat Cernevit® voraussichtlich bis Januar 2022 nur in reduzierter Menge zur Verfügung stünde. Auch ein vergleichbares Präparat und auch die fettlöslichen Einzelkomponenten (FrekaVit® fettlöslich und Vitalipid adult) stünden nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Das Produkt Vitalipid® sei zwar im bisherigen Umfang lieferbar, könne jedoch die enorm gestiegene Nachfrage auf dem Markt aktuell nicht abdecken. Krankenhäuser und Kliniken würden die Vitaminpräparate nur noch kontingentiert erhalten. 

Der Bedarf an Cernevit® sei enorm gestiegen. Zum anderen seien Produktionskapazitäten für COVID-19-Impfstoffe gebunden, so die Erklärung. 

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Die DGEM rät Ärzt:innen, sich an den Empfehlungen der American Society for Parenteral and Enteral Nutrition (ASPEN) zum Vorgehen bei Multivitaminverknappungen zu orientieren. „Wenn notwendig, muss die Zufuhr intravenöser Multivitamine rationiert werden, indem zum Beispiel die Tagesdosis um 50 Prozent verringert wird“, wird Professor Dr. med. Diana Rubin zitiert – sie ist DGEM-Vorstandsmitglied sowie Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin an den Vivantes Kliniken in Berlin.

Dieser Engpass hat aktuell auch den ehemaligen Jour Fixe zu Lieferengpässen beim Bundesinstiut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beschäftigt, der mittlerweile durch einen „Beirat“ ersetzt wurde. In seinem Protokoll zu seiner 5. Sitzung zur Bewertung der Versorgungslage mit Arzneimitteln am 30. Juni heißt es, dass es durch die prioritäre Impfstoffproduktion zu Produktionsreduktionen bei anderen Produkten komme – vornehmlich biopharmazeutischen Produkten. Ein Grund sei der „Defense Production Act“ der USA, ein Gesetz aus der Zeit des Korea-Krieges. Konkret heißt es im Protokoll:

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