"Die Krankheit verläuft in einem Großteil der Fälle leicht, zum Teil auch ohne Symptome"

Prof. Schmidt-Chanasit, in Deutschland gibt es einen ersten Coronavirus-Fall: Einen 33-jährigen Mann, der sich bei einer Kollegin aus China angesteckt hat. Überrascht Sie das?

Nein, überhaupt nicht. Dass es zu Einzelfällen in Deutschland kommen würde, war zu erwarten. Wir sind aktuell sehr zufrieden mit dem Ablauf: Der Fall wurde in Windeseile diagnostiziert und der Patient isoliert. Das zeigt, wie gut wir in Deutschland auf solche Fälle vorbereitet sind.

Der Patient befindet sich aktuell zur Behandlung in einer Klinik in München. Was passiert als Nächstes?

Der Patient ist offenbar nicht schwer erkrankt. Die Ärzte vor Ort prüfen nun, wie lange sich das Virus in den Körperflüssigkeiten nachweisen lässt. Das sind sehr wichtige Informationen, auch für mögliche weitere Krankheitsfälle. Ist das Virus nicht mehr nachweisbar und der Patient gesund, wird er wieder entlassen.

Gibt es weitere Maßnahmen, auch im Umfeld des Patienten?

Ja, natürlich. Es ist nun wichtig zu wissen, zu wem der Patient Kontakt hatte. Etwaige Kontaktpersonen müssen beobachtet werden. Und sobald sie Symptome zeigen oder erkranken, müssen sie auf den Erreger getestet werden. Das ist das normale Vorgehen bei infektiösen Erkrankungen.

Ist jetzt, ausgehend von dem Patienten in München, mit einer weiteren Ausbreitung des Erregers zu rechnen?

Nein, mit einem Ausbruch ist nicht zu rechnen, weil der Fall erkannt und diagnostiziert wurde. Kontaktpersonen werden untersucht und beobachtet. Damit sind alle wichtigen Maßnahmen getroffen. Mehr geht nicht. Insofern muss man sich keine Sorgen machen.

Wie breitet sich der Erreger aus?

Viren-Verdacht

Coronavirus in Deutschland: Wann sollte ich mich auf den Erreger testen lassen?

Als Hauptrisiko gelten Erkrankte, die husten und den Erreger so via Tröpfcheninfektion auf andere Menschen übertragen. Unklar ist derzeit noch, wie gut der Erreger auch durch asymptomatisch Infizierte übertragen werden kann – also durch Menschen, die keine Symptome aufweisen oder die sich noch in der Inkubationszeit befinden. Hier warten wir auf weitere Informationen und Untersuchungen. Stand heute sieht es aber nicht danach aus, als ob das ein häufiger Übertragungsweg ist. Wir gehen nach wie vor von Erkrankten als Hauptrisiko aus.

In Deutschland zirkulieren aktuell auch Erkältungs- und Grippeviren, die ähnliche Symptome wie das Coronavirus auslösen können, allen voran Fieber und Husten. Was ist im Verdachtsfall zu tun?

Es gibt seitens des Robert-Koch-Instituts klare Vorgaben, wer sich testen lassen sollte. Das sind Menschen mit einer akuten Infektion der unteren Atemwege, die sich vor kurzem in einem Risikogebiet, etwa Wuhan in China, aufgehalten haben. Oder Menschen mit Husten, die Kontakt zu einem Erkrankten gehabt haben. Alle anderen Erkrankten würden routinemäßig zunächst auf die ganz normale saisonale Grippe getestet werden. Es ist – Stand heute – einfach extrem unwahrscheinlich, dass jemand, der nie in China war und auch keinen Kontakt zu Erkrankten aus China hatte, sich mit diesem neuartigen Virus angesteckt haben könnte.

Wie verläuft die Krankheit im Großteil der Fälle?

Nach neuesten Erkenntnissen verläuft die Krankheit in einem Großteil der Fälle leicht, das heißt zum Teil auch ohne Symptome oder nur mit sehr leichten Symptomen. Die Kollegen in China haben gesagt, dass viele dieser leichten Verläufe auch relativ schnell ausheilen, binnen einer Woche, sodass sie oft auch nicht diagnostiziert oder bemerkt werden. Das scheint der häufigste Verlauf zu sein. In sehr wenigen Fällen kommt es zu schweren, teils auch tödlichen Verläufen. Das ist jedoch vor allem bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen der Fall.

Sind Schutzmaßnahmen für Menschen hierzulande sinnvoll?

Die aktuelle Situation erfordert keine weiteren Maßnahmen. Aber sicher, aufgrund der aktuell zirkulierenden Grippeviren gibt es grundsätzliche Hygienemaßnahmen, die sinnvoll sind: regelmäßig Händewaschen, in die Armbeuge husten und niesen, sich von Erkrankten fernhalten und sich nicht mit der Hand ins Gesicht fassen.

Und Atemschutzmasken?

Ich habe schon gelesen, dass es jetzt einen Ansturm auf die chirurgischen Gesichtsmasken geben soll – das finde ich persönlich übertrieben. In asiatischen Ländern sieht man diese Masken im öffentlichen Raum häufiger. In Deutschland ist das doch eher unüblich. Aber sicher muss diese Entscheidung jeder für sich selbst treffen. Wer mit den Masken ein besseres Gefühl hat und sich sicherer fühlt, kann sie tragen, das ist ja auch in Ordnung. Sie schaden per se nicht. Aber natürlich sind diese Masken auch eine gewisse Belastung: Sie weichen im Laufe des Tages von der Innenseite auf und müssen entsprechend oft gewechselt werden. Wenn man richtige Filtermasken mit einem höheren Schutz nutzt – die sogenannten FFP3-Masken – ist es auch wirklich schwer, da durchzuatmen. Die liegen luftdicht an und man kann nur durch einen kleinen Filter atmen – vergleichbar mit einer Gasmaske.

Nutzen dünne, chirurgische Masken überhaupt etwas?

Grundsätzlich schon, wenn auch begrenzt. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nie. Viren können beispielsweise auch über die Schleimhaut der Augen in den Körper gelangen, zum Beispiel wenn man von einem Erkrankten direkt angehustet wird. Wer eine Maske tragen möchte, sollte sie aber richtig aufsetzen, sonst ist sie weitgehend nutzlos. Das heißt: Die Maske über die Nase ziehen und richtig dicht am Gesicht ansetzen. Ich persönlich trage noch keine Maske.

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