Codewort „Maske 19“: Apotheken helfen bei häuslicher Gewalt

In der derzeitigen Ausnahmesituation und aufgrund der einschränkenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie droht ein Anstieg der häuslichen Gewalt. Frankreich und Spanien wollen die Opfer in Apotheken mit einem Hilfscode erreichen. Deutschland setzt auf das Hilfetelefon und leere Hotels.

Die aktuelle Situation ist für alle außergewöhnlich: Die Menschen sind aufgefordert, Kontakte zu vermeiden und möglichst zu Hause zu bleiben. Paare und Familien sitzen oft auf engem Raum gemeinsam fest. Viele arbeiten im Homeoffice, andere sind wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus entweder von Arbeitslosigkeit bedroht oder bereits entlassen. All das steigert Stress und führt zur psychischen Belastung. Daher befürchten Regierungen und Hilfsorganisationen eine Zunahme von häuslicher Gewalt, vor allem gegen Frauen. 

Aus China wurde bereits berichtet, dass es nach Wochen strenger Isolationsmaßnahmen dreimal so viele Fälle an häuslicher Gewalt gab wie üblich. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern verzeichnet die Polizei vermehrt Einsätze im Bereich häuslicher Gewalt. So meldet Frankreichs Innenminister Christophe Castaner laut Süddeutscher Zeitung einen Anstieg von 36 Prozent mehr Fällen im Großraum Paris in diesen Zeiten.

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Da der gewalttätige Partner weniger die Wohnung verlässt als sonst, hat das Opfer kaum die Möglichkeit, sich Hilfe zu suchen. Eine der wenigen Gelegenheiten in Zeiten strikter Ausgangsbeschränkungen ist der erlaubte Gang zum Supermarkt oder zur Apotheke. In Frankreich läuft daher seit rund einer Woche ein Versuch der Direkthilfe in Apotheken. Mit dem Codewort „Maske19“ können Opfer hier auf ihre Situation aufmerksam machen. Das Gleiche gilt, laut einem Bericht des Focus, für viele Provinzen in Spanien. Apotheker sind angehalten, in dem Fall über den Notruf die Polizei zu alarmieren. Unklar sie jedoch, wie schnell sich das geheime Codewort „Maske 19″ bei den Betroffenen herumspreche, heißt es in dem Bericht.

Giffey: Fallzahlen werden zunehmen

Auch das deutsche Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat die Probleme erkannt. „Die Fallzahlen häuslicher Gewalt, die sich in aller Regel gegen Frauen und Kinder richtet, werden voraussichtlich zunehmen“, bestätigt Familienministerin Franziska Giffey in einer Pressemitteilung. Sie verweist auf das Hilfetelefon gegen Gewalt von Frauen (Tel. 08000/116 016 oder www.hilfetelefon.de), das rund um die Uhr besetzt sei. Zudem können derzeit leerstehende Hotels für Frauen, die vor Gewalt fliehen, zu öffnen. Das Bundesprogramm zur Förderung von Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen sei gerade angelaufen und stelle den Ländern mehr Mittel bereit.

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