Biontech-Chef Sahin macht Mut und spricht neun Monaten sehr hohem Impf-Schutz

Das RKI meldet am Sonntag mehr als 42.000 Neuinfektionen, die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 372,7. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Booster-Impfung für alle ab 18 Jahren. Die Bundesregierung stuft Niederlande, Belgien und weitere Länder als Hochrisikogebiete ein. Alle aktuellen News zur Corona-Pandemie finden Sie hier im News-Ticker von FOCUS Online.

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Biontech-Chef Sahin spricht von neun Monaten "sehr hohem" Schutz

09.19 Uhr: Die Stiko rät sechs Monate nach der Zweit-Impfung gegen das Coronavirus zu einer Auffrischung. Dann nämlich nimmt der Schutz vor einer Erkrankung ab. Biontech-Chef Ugur Sahin geht nun aber von einem deutlichen längeren Schutz aus: „Kürzlich veröffentlichte Daten aus unserer Studie zeigen, dass der Impfschutz noch bis zum neunten Monat sehr hoch ist, sodass es bei Geimpften nur selten zu schweren Erkrankungen und einer Krankenhausbehandlung kommt.“

Sahin spricht sich in der „Bild am Sonntag“ auch für Auffrischungsimpfungen aus. „Ein Booster schützt zum einen den Geimpften sehr gut vor Erkrankung, er hilft aber auch, weitere Ansteckungsketten zu unterbrechen.“ Das könne uns über den anstehenden schwierigen Winter helfen.

Sahin sprach in dem Interview auch über mögliche weitere Impfungen in der Zukunft: „Wir haben aber noch keine Daten, ob und wann unter Umständen eine vierte Impfung sinnvoll wäre. Das hängt auch davon ab, ob es zu weiteren Virus-Varianten kommt. Wir arbeiten daran, schnell auf Escape-Varianten, die dem Immunschutz entgehen, reagieren zu können und weiterhin die Produktionsmenge zu erhöhen.“

Sahin: „Derzeit machen uns neue Virus-Varianten keine Sorgen und wir können mit unserem Impfstoff boostern, um wieder auf 95 Prozent Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung zu kommen.“

08.53 Uhr: Der Tourismusbeauftragte der geschäftsführenden Bundesregierung, Thomas Bareiß, rechnet mit einer Corona-Impfpflicht auch in Deutschland. Die sich immer mehr zuspitzende Lage mache deutlich, dass eine Impfpflicht früher oder später nicht vermeidbar sei, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Es war in der Rückschau betrachtet falsch, das nicht gleich von Anfang an zu sehen. Die damalige Hoffnung ist nachvollziehbar, aber war nicht realistisch.“

Nach der Ankündigung Österreichs, im Februar eine Corona-Impfpflicht einzuführen, wird auch in Deutschland über das Thema diskutiert. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte gesagt, er glaube, man werde am Ende darum nicht herumkommen. Vertreter von SPD und FDP lehnen eine Impflicht ab.

Bareiß sagte: „Für mich ist es politisch nicht mehr verantwortbar, dass ganze Branchen, Einzelhändler, Restaurantbetriebe, Clubs, Bars und die ganze Kino-, Kultur- und Veranstaltungsszene 20 Monate im staatlich verordneten Krisenzustand leben und vor großen Existenzängsten stehen, während sich andere die Freiheit nehmen, sich nicht zu impfen.“ Man habe bisher mit historischen Maßnahmen und Summen viele Unternehmen retten können. Auf Dauer gehe das nicht.

07.25 Uhr: Der Virologe Christian Drosten hat sich für ein möglichst rasches Schließen der Impflücke in Deutschland ausgesprochen. Eine andere Möglichkeit gebe es nicht, um die Pandemie zu überwinden, schrieb Drosten auf Twitter zur Position von SPD und FDP, die eine allgemeine Impfpflicht ausschließen. „Ein fast vollständiges Schließen der Impflücken ist durch nichts zu ersetzen“, betonte der Institutsdirektor an der Berliner Charité. „Wer das noch nicht kapiert hat, hat es noch nicht kapiert.“

Bereits zuvor hatte Drosten auf eine begrenzte Aussagekraft von Antigen-Schnelltests zum Erkennen einer Coronavirus-Infektion hingewiesen. „Vor Symptombeginn sind Schnelltests einfach nicht empfindlich genug. Daher meine Zweifel an 3G“, schrieb er mit Bezug auf Regeln, die Geimpften, Genesenen und Getesteten Zugang zu Einrichtungen oder Veranstaltungen gewähren.

Hinsichtlich des Einsatzes solcher Schnelltests bei Geimpften sagte er der „Bild“: „Es sieht nach meiner vorläufigen Einschätzung so aus, als ob Infektionen bei Geimpften gerade in den ersten Tagen der Infektion nicht so gut durch den Antigen-Schnelltest nachzuweisen sind. Leider ist die Studienlage dazu aber noch nicht ausreichend.“

RKI meldet 42.727 Neuinfektionen

Sonntag, 21. November, 07.18 Uhr: Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut auf einen Höchststand gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntagmorgen mit 372,7 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 362,2 gelegen, vor einer Woche bei 289 (Vormonat: 85,6). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 42.727 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.35 Uhr wiedergeben. Vor genau einer Woche waren es 33.498 Ansteckungen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 75 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 55 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.354.942 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 5,34 an (Donnerstag: 5,30). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.626.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 99.062.

Massen-Demo gegen Lockdown und Impfpflicht in Wien – mindestens 10 Menschen festgenommen

21.39 Uhr: Aus Protest gegen den ab Montag in ganz Österreich geltenden Lockdown und die Einführung einer Impfpflicht sind in Wien zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 35.000 Menschen am Samstag an der Großkundgebung im Zentrum der Hauptstadt teil. Mehr als 1300 Polizisten wurden mobilisiert, um mögliche Ausschreitungen zu verhindern. Mindestens zehn Menschen wurden festgenommen.

Das Innenministerium hatte zuvor Befürchtungen geäußert, dass sich Rechtsextreme und Hooligans unter die Menge mischen könnten. An der Stadtgrenze kontrollierte die Polizei stichprobenartig aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland anreisende Demonstranten.

Zur größten Protestveranstaltung von vielen angekündigten Kundgebungen hatte die rechtspopulistische FPÖ aufgerufen. Die Partei sprach sogar von 100.000 Teilnehmern. Es galt eine Maskenpflicht, die jedoch von vielen nicht eingehalten wurde. Demonstranten schwenkten Transparente mit der Aufschrift "Corona-Diktatur" oder "Nein zum Impfzwang", wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Nach Warnungen vor Angriffen auf kritische Infrastruktur wurden die Sicherheitsmaßnahmen für Krankenhäuser, Verlage, Ministerien sowie die Impfzentren verschärft. Wie APA aus Polizeikreisen erfuhr, soll in einem Fall versucht worden sein, einem Beamten die Schusswaffe aus dem Sicherheitsholster zu entreißen.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte am Freitag an die Menschen appelliert, sich gegen eine Spaltung der Gesellschaft zu wehren. "Die Gefahr ist groß, dass die Gräben jetzt noch tiefer werden. Aber das dürfen wir nicht zulassen", sagte er in einer Fernsehansprache.

Angesichts des starken Anstiegs der Corona-Infektionen in Österreich hatte die Regierung am Freitag drastische Maßnahmen angekündigt: Am Montag tritt ein neuer landesweiter Lockdown in Kraft, der auch für Geimpfte gilt und bis zu 20 Tage dauern soll. Zudem wird eine Impfpflicht eingeführt: Bis zum 1. Februar muss jeder vollständig gegen das Coronavirus geimpft sein.

Österreich ist das erste Land in Europa, das angesichts der jüngsten Corona-Welle derart harte Maßnahmen ergreift. Täglich werden mehr als 15.000 Neuinfektionen gezählt, während die Impfrate bei 66 Prozent liegt – und damit unter dem europäischen Durchschnitt.

21.08 Uhr: Wegen eines außergewöhnlich starken Anstiegs an Corona-Infektionen dürfen Ungeimpfte in drei Landkreisen in Baden-Württemberg von Montag an nachts nur noch aus triftigem Grund ihre Wohnungen verlassen. Das Verlassen der eigenen vier Wände in den Corona-Hotspots Schwarzwald-Baar-Kreis, Ostalbkreis und Biberach sei diesen Menschen zwischen 21 Uhr und 5 Uhr nur noch beispielsweise für medizinische Notfälle und aus Arbeitsgründen erlaubt, sagte der Amtschef im Sozialministerium, Uwe Lahl, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag in Stuttgart. Es sei davon auszugehen, dass es nicht bei diesen drei Kreisen bleibe.

Zutritt zu beispielsweise Gastronomie, Hotels (mit Ausnahme von Geschäftsreisenden) und Einzelhandel sei von Montag an ausschließlich immunisierten – also Geimpften und Genesenen – Besuchern und Kunden gestattet. Ausgenommen von dieser Zutrittsbeschränkung sind Geschäfte und Märkte, die der Grundversorgung dienen wie Lebensmittelmärkte, Apotheken, Tank- und Poststellen, Paketdienste und Banken sowie Betriebe von körpernahen Dienstleistungen.

Das Landesgesundheitsamt hatte am Donnerstag für den Schwarzwald-Baar-Kreis einen außergewöhnlich starken Anstieg des Infektionsgeschehens innerhalb der vergangenen sieben Tage gemeldet. "So liegt die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner nach dem angegebenen Berichtsstand bei einem Wert von 659,6 und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt", hieß es. Am Freitag lag die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner im Ostalbkreis bei 700,9 und in Biberach bei 677,9.

Lauterbach: "Seit Helge Braun um den CDU-Vorsitz kämpft, ist er kaum wiederzuerkennen"

19.18 Uhr: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die Kritik von Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) am Corona-Krisenmanagement der Ampelkoalitionäre zurückgewiesen. "Helge Braun enttäuscht mich in den vergangenen Wochen etwas", sagte Lauterbach dem Nachrichtenportal t-online. "Wir haben eigentlich immer gut zusammengearbeitet und waren immer der Meinung, dass Parteipolitik fehl am Platze sei. Seit Helge Braun um den CDU-Vorsitz kämpft, ist er kaum wiederzuerkennen."

Braun wisse, wie wenig die unionsregierten Länder bereit gewesen seien, dringend benötigte strengere Regeln einzuführen. Doch es bringe nichts, "sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben", sagte Lauterbach. "Es sind Fehler gemacht worden, und jetzt müssen wir nach vorne schauen und dafür kämpfen, dass wir die Situation wieder beherrschen."

Verschärfung insbesondere für Ungeimpfte: Neue Corona-Regeln in Schleswig-Holstein

18.37 Uhr: Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat am Samstag schärfere Corona-Regeln auf den Weg gebracht. Die ab Montag geltende Corona-Verordnung schließt in Innenbereichen Menschen ohne Covid-19-Schutzimfung von weiten Teilen des öffentlichen Lebens aus. Das Grundprinzip lautet: Bei Freizeitveranstaltungen gilt drinnen 2G (geimpft, genesen), bei beruflichen Veranstaltungen und für Jugendliche 3G (geimpft, genesen oder getestet).

Ab Montag dürfen Ungeimpfte in Schleswig-Holstein keine Innenräume von Freizeitstätten und Gaststätten mehr besuchen. Kinder bis zur Einschulung und minderjährige Schüler, die regelmäßig in der Schule getestet werden, sind davon ausgenommen. Wer aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann, muss eine ärztliche Bescheinigung oder einen negativen Test vorlegen, um Angebote mit 2G-Regeln wahrzunehmen.

2G gilt künftig für Diskotheken, Dienstleitungen mit Körperkontakt (Friseure und medizinische sowie pflegerische Dienstleistungen ausgenommen), Sport in Innenräumen, außerschulische Bildungsangebote, Touristenübernachtungen in Hotels. Dies gilt auch in geschlossenen Räumen auf Weihnachtsmärkten.

Schüler müssen im Unterricht wieder eine Maske aufsetzen. Behörden können beispielsweise für Fußgängerzonen und Haupteinkaufsbereiche die Maskenpflicht anordnen. Private Zusammenkünfte innerhalb geschlossener Räume sind nur noch mit bis zu zehn ungeimpften Personen zulässig.

Erfolgt der 3G-Nachweis mittels QR-Code, müssen Betreiber oder Veranstalter diesen mit der CovPassCheck-App des Robert Koch-Instituts (RKI) überprüfen. Einrichtungen mit Publikumsverkehr müssen als Angebot einen QR-Code für die Registrierung mit der Corona-Warn-App des RKI bereitstellen. Dies gilt auch für Veranstaltungen. Die Registrierung ist freiwillig.

Die neue Corona-Verordnung gilt bis zum 15. Dezember.

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