Bill Gates über Patent-Aussetzung auf Covid-Impfstoffe: Das Dümmste, was ich je gehört habe

Bill Gates hat eine klare Meinung über das viel debattierte Aussetzen von Patenten auf Corona-Impfstoffe. „Wenn man den Erfindergeist in der Pharmabranche abwürgen will, dann ist das Aussetzen von Patenten brillant“, kritisierte er ironisch in einem Interview.

Die Aussetzung von Patenten auf Corona-Impfstoffe hätte nach Auffassung von Bill Gates nicht zu einer weltweit gerechteren Verteilung geführt. Im Interview mit ZEIT ONLINE sagte der Milliardär und Gründer der Bill- und Melinda-Gates-Stiftung, die weltweit Milliarden in Gesundheitsprogramme und Impfkampagnen investiert: "Das ist das Dümmste, was ich je gehört habe."

Weiter betonte er: "Wir werden Mitte 2022 in Impfstoff schwimmen." Ironisch fügte er hinzu: "Aber wenn man den Erfindergeist in der Pharmabranche abwürgen will, dann ist das Aussetzen von Patenten brillant. Man sollte immer damit drohen, dass die Firmen keinen Patentschutz haben werden."

Keine gerechte Impfstoff-Verteilung: Bill Gates kritisiert USA und lobt Deutschland

Dass der Corona-Impfstoff weltweit nicht fair verteilt wurde, liegt nach Gates‘ Einschätzung unter anderem daran, dass die USA ihrer Führungsrolle nicht gerecht geworden sind. "Die USA nahmen an keiner Diskussion dazu teil, wie die Welt die Pandemie gemeinsam bewältigen könnte", sagte er.

Deutschland hingegen sei zu einem der wichtigsten Geberländer für die globale Gesundheit geworden. "Ich wünschte, mehr Deutsche wüssten davon und könnten nach Afrika reisen und dort den Nutzen sehen", sagte Gates.

Gates-Kritik: Zuerst hätten alle älteren Menschen auf der ganzen Welt geimpft werden sollen

Dennoch sieht der Stiftungsgründer die weltweit Impfstoffverteilung nicht unkritisch. "Keine junge Person hätte den Impfstoff bekommen sollen, bevor ältere Menschen in Brasilien, Südafrika oder im Rest von Afrika geimpft wurden", sagte er ZEIT ONLINE. Dass es dem Impfprogramm Covax bis heute nicht gelungen ist, genügend Impfstoff an ärmere Länder zu liefern, liege an der Auswahl der Impfstoffe, aber auch an einem indischen Exportstopp für das Präparat von AstraZeneca, erklärte er.

Die von der Gates-Stiftung vorangetriebene und bei der Weltgesundheitsorganisation WHO angesiedelte Covax-Initiative setzt sich für eine gerechte globale Verteilung der Impfstoffe ein.

Ziel: Ausrottung von Polio, Masern und Malaria bis 2050

Darauf angesprochen, ob seine Stiftung falsche Prioritäten setze, weil sie etwa zu wenig in die Stärkung von Gesundheitssystemen investiere, sagt Gates: "Um ein Gesundheits- oder Bildungssystem zu finanzieren, erhöht man am besten lokal die Steuern. Philanthropie sollte sich lieber auf Dinge mit großer Wirkung konzentrieren, etwa darauf, eine Krankheit auszurotten." Er hoffe, dass es bis 2050 gelingen werde, Polio, Masern und Malaria auszurotten, sagte Gates. Etwa so lange werde es die Gates-Stiftung noch geben.

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