Assauer ist tot: Eine Millionen Deutsche leiden an Alzheimer – wie Sie vorbeugen können

Rudi Assauer ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Er war an Alzheimer erkrankt. In Deutschland leben rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz, die meisten von ihnen leiden unter Alzheimer. Aber wieso erkranken manche Menschen an Alzheimer? Und wie können wir vorbeugen?

Schon seit Jahren hat Schalke-Legende Rudi Assauer an Alzheimer gelitten. Genauso wie sein älterer Bruder Lothar, der 2013 an den Folgen der Krankheit starb. Mediziner sprechen von einer familiären Alzheimer-Form, wenn es innerhalb einer Familie mehrere Betroffene gibt. Alzheimer ist allerdings nur eine Form der Demenz, unter der immer mehr Menschen leiden. Etwa 60 bis 70 Prozent aller Betroffenen (1,7 Millionen Deutsche) erkranken an Alzheimer-Demenz.

"Alle 100 Sekunden erkrankt in Deutschland jemand an Demenz", sagt Monika Kraus, Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft. Ihre aktuellen Zahlen zeigen, dass Jahr für Jahr mehr als 300.000 Neuerkrankungen auftreten.

Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach Berechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf rund drei Millionen erhöhen. Dies entspricht einem mittleren Anstieg der Zahl der Erkrankten um mehr als 100 pro Tag. Deutsche Alzheimer Gesellschaft

Es gibt viele Arten von Demenz

Demente wissen oft nicht, was sie tun und warum sie es tun. Sie leiden an einer neurodegenerativen Krankheit, was bedeutet, dass die Nervenzellen nach und nach schwinden. Symptome von Alzheimer-Demenz sind:

  • eine nachlassende Leistungsfähigkeit des Gehirns
  • ein vermindertes Denk-, Orientierungs-, Sprach-, Auffassungs- und Urteilsvermögen
  • der allmähliche Verlust der Gedächtnisfunktion

Alzheimer ist die häufigste, aber nur eine Form von Demenz. Weitere verbreitete Formen sind die Lewy-Körper-Demenz, bei der Eiweißablagerungen im Inneren der Nervenzellen verantwortlich sind für Verwirrtheit, optischen Halluzinationen und motorische Probleme. Oder die Vaskuläre Demenz, die unbemerkt Schlaganfälle auslösen. Die Symptome sind denen der Alzheimer-Krankheit ähnlich.

  • Gehirn-Test: Wie hoch ist Ihr Alzheimer-Risiko?

Verschiedene Formen von Alzheimer-Demenz

  • Am häufigsten tritt die sporadische Form des Alzheimers auf. Bei dieser Erkrankung determinieren genetische sowie Umwelteinflüsse den Verlauf. Der größte Risikofaktor ist das Alter. Aber auch das ApoE4-Gen, das für den Transport von Fettsäuren zuständig ist, erhöht das Risiko, zu erkranken.
  • Wesentlich seltener ist die autosomal-dominante Form der Alzheimer-Demenz. Kennzeichnend für diese Form von Alzheimer ist, dass die Symptome wesentlich früher auftreten und sich schneller verstärken beziehungsweise häufen.
  • Sind innerhalb einer Familie mehrere Menschen an Alzheimer erkrankt, sprechen Mediziner von einer familiären Form von Alzheimer. Bei dieser Form ist das Risiko der Blutsverwandten erhöht, ebenfalls an Alzheimer zu erkranken. Während das Lebenszeitrisiko normalerweise bei zehn Prozent liegt, erhöht es sich bei Verwandten ersten Grades um das Zweieinhalbfache (25 Prozent).

Symptome: Alzheimer-Demenz durchläuft verschiedene Stadien

Der Verlauf der Alzheimer-Erkrankung ist bereits seit Alois Alzheimers ersten Aufzeichnungen gut dokumentiert. Die erste Phase von Demenz-Krankheiten wie Alzheimer ist das Stadium der leichten Demenz.

Die Erkranken können sich neue Dinge nicht mehr merken. Zudem gestalten sich vor allem abstrakte Aufgaben des Alltags, wie beispielsweise eine Steuererklärung, schwierig. In dieser Phase der Alzheimer-Krankheit haben sich in bestimmten Bereichen der Großhirnrinde (Neokortex) bereits erste Proteinklumpen gebildet (Beta-Amyloid-Plaques).

Ist das Stadium der mittelschweren Demenz erreicht, haben die verklumpten Proteine bereits weitere Hirnareale befallen. Die Erkrankten können komplexe Formen und Muster nicht mehr richtig erkennen und erinnern. So wird es für die Patienten schwierig, Haushaltsgeräte zu bedienen oder sich selbstständig zu kleiden. Auch das Sprachverständnis leidet. Die Erkrankten selbst sehen die eigenen Beeinträchtigungen meist nicht ein (Anosognosie).

Psychische Symptome in der schweren Demenzphase

Die Symptomatik nimmt im Laufe der Zeit zu. Für den Erkrankten bringt das häufig psychische Zusatzsymptome mit sich, wie Angst, depressive Verstimmungen, Halluzinationen oder eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Das Stadium der schweren Demenz prägen zunehmende motorische und vegetative Störungen etwa Inkontinenz. Die Erkrankten werden pflegebedürftig.

Die Alzheimer-Krankheit verläuft nicht bei jedem Patienten gleich. Neuere Studien haben gezeigt, dass die Proteinklumpen, die für die Symptome verantwortlich sind, verschiedenen Eiweißfamilien entstammen. Das könnte ein Erklärungsansatz für den unterschiedlichen Krankheitsverlauf sein, schlossen Forscher der University of California in San Francisco.

Ursachen für Alzheimer noch unbekannt

Was während der Alzheimer-Erkrankung im Gehirn passiert, dazu gibt es bisher nur Theorien. Die gängigste besagt, dass Mutationen bestimmter Proteine im Gehirn dazu führen, dass zu viel Eiweiß (β-Amyloid) gebildet wird. Die reaktionsfreudigen β-Amyloid-Moleküle („Monomere“) gehen miteinander eine chemische Verbindung ein und „klumpen“.

Dadurch entstehen die so genannten Plaques, die sich an der Großhirnrinde ablagern und die zerstörerischen Abbauvorgänge im Gehirn in Gang setzen. Ein Abbauvorgang löst dabei den nächsten aus. „Die Schädigung im Gehirn folgt dabei dem Dominoprinzip“, fasst der Neurobiologe Mathias Jucker vom Hertie-Institut der Universität Tübingen zusammen.

Was allerdings die Ursache für die Mutation der β-Amyloid-Proteine ist, darauf sucht die Forschung noch eine Antwort.

Der größte Risikofaktor für Alzheimer ist das Alter

Der mit Abstand wichtigste und nicht-behandelbare Risikofaktor zur Entwicklung einer Demenz ist das Alter. Ab dem 60. Lebensjahr verdoppelt sich die Demenzhäufigkeit alle fünf Jahre.

Ein weiterer Risikofaktor ist das Geschlecht. Bei Frauen, die älter als 60 Jahre sind, ist das Risiko an Alzheimer zu erkranken doppelt so hoch wie das Brustkrebs-Risiko.

Genetische Faktoren scheinen ebenso eine Rolle zu spielen. So beeinflusst eine bestimmte Variante des ApoE-Gens (wichtig für den Cholesterintransport im Blut) die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer-Demenz zu erkranken. Bei Trägern von ApoE4 treten Krankheitssymptome besonders früh auf.

„Etwa 30 Prozent des Alzheimer-Risikos lassen sich durch sieben Risikofaktoren erklären, die wir mehr oder minder wirksam beeinflussen können“, sagt etwa die Demenz-Forscherin Miia Kivipelto vom Karolinska-Institut in Stockholm. Es sind:

  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Adipositas
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • geringe Bildung
  • Depression

Zucker, Stress, Angst und Depressionen

Forscher der Columbia University in New York sehen zudem einen Zusammenhang zwischen zuckerhaltigen Getränken und der Entstehung von Alzheimer. Sie hatten 2300 Senioren sieben Jahre lang begleitet. 430 von ihnen erkrankten im Verlauf der Untersuchung an Alzheimer. Ein besonders hohes Risiko, die Krankheit zu entwickeln, hatten laut der Studie Probanden, die täglich rund 20 Gramm Zucker in Form von Getränken zu sich genommen hatten. Ihr Alzheimer-Risiko war um 50 Prozent erhöht.

Ein Forscherteam aus Norwegen (Universität Trondheim) hatte die Probanden jüngst zu Stress, Ängsten und Depressionen befragt. Menschen, die besonders stark unter Angstzuständen oder Depressionen litten, erkrankten ihrer Studie zufolge häufiger an Demenz als psychisch Gesunde.

Zur Vorbeugung von Alzheimer gibt es dementsprechend keine Wunderformel. Die Forschung hat indes Strategien entwickelt, die Alzheimer-Patienten helfen können – auch wenn Alzheimer nicht heilbar ist:

  • Medikamente gegen das Symptom Gedächtnisverlust (Acetylcholinesterase-Hemmer)
  • Die „Alzheimer-Impfung“? Momentan sind etwa ein Dutzend verschiedene Antikörper für die Immunisierung gegen die Alzheimer-auslösenden Beta-Amyloide im Test.
  • Entzündungshemmer gegen Plaques? In Tierversuchen bewirkte das antientzündliche Ibuprofen eine bessere Gedächtnisleistung.
  • Die frühe Alzheimer-Diagnose mit Bio-Markern soll eine Therapie vor dem Gehirnverfall ermöglichen.

Demenz vorbeugen – geht das?

Je nach Demenzform können Sie also besser oder schlechter vorbeugen. Gegenüber manchen Arten sind wir nach aktuellem Stand der Wissenschaft schlichtweg machtlos. Zumal der größte Risikofaktor für Demenz das Alter ist – und das lässt sich bekanntlich nicht aufhalten.

Trotzdem gilt: Was Ihrem Körper schadet, kann auch das Gehirn beeinträchtigen. So können Sie zumindest einer vaskulären Demenz entgegenwirken, indem Sie auf folgende fünf Dinge achten:

1. Ernähren Sie sich ausgewogen

Nach aktuellem Stand der Forschung ist eine mediterrane Ernährung besonders gut für unser Herz und Hirn. Zuletzt kamen australische Forscher zu dem Ergebnis, dass sich mit dieser Ernährungsweise auch das Demenz-Risiko senken lässt. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Obst, Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukte, Olivenöl, wenig rotes Fleisch, stattdessen Fisch und Hühnchen.

2. Trinken Sie Alkohol nur in Maßen

Verfechter der mediterranen Ernährung empfehlen außerdem hin und wieder ein Gläschen Rotwein. Mehr sollte es allerdings nicht sein. Denn starker Alkoholkonsum kann das Gehirn schädigen. Diesen Zusammenhang bestätigten Wissenschaftler aus Stockholm. Probanden, die seltener als einmal pro Monat Alkohol tranken, litten nur halb so oft an Gedächtnisstörungen wie Testpersonen, die häufiger tranken.

Dabei unterschieden die Forscher nicht zwischen Wein, Bier und Spirituosen. Besonders interessant: Bei Probanden, die nie zu Alkohol griffen, war das Demenz-Risiko wiederum leicht erhöht, verglichen mit den Wenig-Trinkern.

3. Bewegen Sie sich ausreichend

Australische Wissenschaftler empfehlen zweieinhalb Stunden Sport pro Woche, um Gedächtnisverlust deutlich zu bremsen. Das wirke besser als Medikamente.

4. Gönnen Sie sich in stressigen Situationen eine Auszeit

Stress kann Abbauprozesse im Gehirn fördern und so zu Alzheimer führen, berichten Forscher aus Argentinien. Sie fanden heraus: Von 107 untersuchten Alzheimerpatienten waren 78 schwer seelisch belastet, etwa durch den Tod eines Angehörigen, Gewalterlebnisse oder Unfälle.

5. Rauchen Sie nicht

Raucher haben ein doppelt so hohes Demenz-Risiko wie Nichtraucher. So lautet das Ergebnis einer Langzeitstudie mit mehr als 21.000 US-Bürgern. Wer einer Demenz vorbeugen möchte, sollte sich daher das Rauchen abgewöhnen.

6. Gehen Sie regelmäßig in die Sauna

Eine Studie, selbstverständlich von finnischen Forschern, legt nahe, dass auch Schwitzen in der Sauna im Kampf gegen Demenz helfen kann. Die Forscher untersuchten mehr als 2000 gesunde Männer. Diejenigen, die vier bis sieben Mal wöchentlich saunierten, hatten ein um 66 Prozent geringeres Risiko für Demenz verglichen mit Sauna-Muffeln.

Quelle: Kilimann, I., & Teipel, S. (2013). Alzheimer-Krankheit. In: Bartsch, T. &  Falkai. P. (Hrsg.), Gedächtnisstörungen. Berlin/Heidelberg: Springer. DOI 10.1007/978-3-642-36993-3_18

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