G-BA will Bluttests auf Down-Syndrom als Kassenleistung

Bei Risikoschwangerschaften könnten Ungeborene künftig aufKosten der Krankenkassen per Bluttest auf das Risiko autosomaler Trisomien 13,18 und 21 untersucht werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat sich dafürausgesprochen und am heutigen Freitag ein Stellungnahmeverfahren eingeleitet, indessen Rahmen sich unter anderem wissenschaftliche Fachgesellschaften, dieBundesärztekammer und der Deutsche Ethikrat äußern sollen.

Schwangere, die wissen wollen, ob bei ihrem ungeborenen Kindeine Trisomie 21 (Down-Syndrom) vorliegt, müssen den rund 130 Euro teurenBluttest meist selbst zahlen. Voraussichtlich im Spätsommer will der GemeinsameBundesausschuss (G-BA) entscheiden, ob diese nicht-invasivenmolekulargenetischen Tests (NIPT) zur Bestimmung des Risikos autosomalerTrisomien 13, 18 und 21 im Fall von Risikoschwangerschaften reguläreKassenleistung werden sollen. Der G-BA selbst plant dieMutterschafts-Richtlinien entsprechend zu ändern.

„Angesichts der Risiken invasiver Untersuchungen sowie derbelegten hohen Testgüte der geprüften NIPT-Verfahren sieht der G-BA im Ergebnisder Studienauswertungen eine Anerkennung der NIPT als im Einzelfall möglicheLeistung im Rahmen der Schwangerenbetreuung als medizinisch begründet an“,erklärte G-BA-Chef Josef Hecken. Er betonte, dass es ausdrücklich um die Anwendungdes Tests bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken gehe – und nicht etwa umeine Reihenuntersuchung aller Schwangeren. Die aktuell verfügbarenTestverfahren – Eingriffe, die laut Hecken die mit großen Risiken für dasungeborene Kind verbunden sind – sollen so weit wie möglich ersetzt werden.

Doch zuvor sind Experten gefragt. Am heutigen Freitag hatder G-BA ein Stellungnahmeverfahren zuden geplanten Anwendungsmöglichkeiten der NIPT bei Risikoschwangerschafteneröffnet. Wissenschaftliche Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer, derDeutsche Ethikrat, die Gendiagnostik-Kommission und zahlreiche weitere Organisationensind nun aufgefordert das Vorhaben zu prüfen.

Ein Bündnis von Organisationen wendet sich gegen dasVorhaben. Die Gegner fürchten mehr Abtreibungen. Derzeit entscheiden nachExpertenangaben etwa zehn Prozent der Frauen, die mit einem Kind mit Trisomie21 schwanger sind, für das Baby. 90 Prozent der Kinder kommen nicht zur Welt.

Für die Tests wird den Schwangeren ab der 11. Woche Blut abgenommen.Anhand der darin enthaltenen Chromosomenteile des Kindes oder der Plazenta kannunter anderem die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, mit der das Kind mitDown-Syndrom auf die Welt kommen würde. Die Treffsicherheit liegt nach Angabendes Herstellers bei 99 Prozent. Die Falsch-Alarm-Rate sei sehr gering: Etwaeine von 1000 Frauen bekomme fälschlicherweise die Information, ihr Kind habeTrisomie 21.

Vor Herbst 2020 ist nicht mit einem Inkraftreten desBeschlusses zu rechnen.

 

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