"Kompliziert" und "verwirrend": Verbraucher strafen staatliches Modell zur Nährwertkennzeichnung ab

Die Mehrheit der Deutschen spricht sich für die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Nutri-Score-Ampel aus. Zu dem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts, die mehrere medizinisch-wissenschaftliche Organisationen und die Verbraucherorganisation Foodwatch in Auftrag gegeben haben. Zur Wahl standen zwei mögliche neue Nährwert-Logos: das Modell „Wegweiser Ernährung“ des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts für Ernährungsforschung und das farbliche System Nutri-Score, das aus Frankreich stammt.

1003 Verbraucherinnen und Verbraucher hatten an der repräsentativen Online-Umfrage teilgenommen. Ihnen wurden beispielhaft Lebensmittel gezeigt, die mit beiden Nähwert-Logos gekennzeichnet waren. Im Anschluss sollten sie bewerten, welches der beiden Modelle verständlicher ist und die Wahl gesunder Lebensmittel eher erleichtert.

In der Umfrage gaben 69 Prozent der Befragten an, den Nutri-Score zu bevorzugen. Für den „Wegweiser Ernährung“ sprachen sich dagegen nur 25 Prozent aus. Im Vergleich bewerteten die Befragten das Modell eher als „kompliziert“ und „verwirrend“.

Der „Wegweiser Ernährung“ zeigt ungünstige Inhaltsstoffe wie Salz, Zucker und Fett je 100 Gramm in Waben an. Fällt der Gehalt niedrig aus, ist die Wabe blaugrün eingefärbt. Daneben gibt eine große Wabe mit fünf Sternen und Kacheln die Gesamtbewertung des Lebensmittels an. Je günstiger diese ausfällt, umso mehr der fünf Sterne und Kacheln sind ausgefüllt.

Nutri-Score mit Ampelfarben

Der Nutri-Score ist fünfstufig und basiert auf einem farblichen Ampelsystem. Die Skala reicht von einem grünen A bis zu einem roten E. Das Logo berücksichtigt nicht nur den Nährwert beziehungsweise den Fett- oder Zuckergehalt, sondern auch den Obst- oder Gemüseanteil eines Lebensmittels und verrechnet diese Nährwertbestandteile miteinander. Das Modell stammt ursprünglich aus Frankreich und wird mittlerweile auch in Belgien verwendet. In Deutschland machen sich vor allem Verbraucherschützer und medizinische Fachgesellschaften für dieses Modell stark.

Hunger auf Fischstäbchen? Die Vollkorn-Fischstäbchen aus dem Hause Iglo schneiden tadellos ab – mit einem grünen A als Top-Bewertung, was vor allem am Vollkorngehalt liegen dürfte. Die Backfisch-Stäbchen (Iglo) haben das Nachsehen.

„Die Umfrage zeigt: Die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher wollen den Nutri-Score. Diese Nährwert-Ampel hat zuvor in 35 wissenschaftlichen Studien ihre Wirksamkeit bewiesen“, erklärt Barbara Bitzer von der Deutschen Diabetes Gesellschaft in einer Mitteilung. „Wir erwarten, dass Bundesernährungsministerin Julia Klöckner den Nutri-Score schnellstmöglich einführt. Ein Label, das die Mehrheit der Menschen als verwirrend empfindet, ist wissenschaftlich nicht akzeptabel.“

Klöckner hatte betont, dass sie „keine Präferenz“ habe. Aktuell läuft noch eine Befragung des Bundesernährungsministeriums zu vier Kennzeichnungs-Modellen. Auf Grundlage der eigenen Umfrage soll dann im Herbst entschieden werden, welches Modell die Regierung zur freiwilligen Nutzung auf Packungen empfiehlt.

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